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HDTV Auflösungen für Schlauberger
Mir geht es wahrlich massiv auf den Zeiger, was derzeit in anderen Foren, Blogs und Kommentaren zum Thema HDTV Auflösungen so abgelassen wird. Das strotzt nur so vor Halb- oder Nichtwissen. Deshalb hier mal ein paar Fakten, über die jeder gerne mal ein paar Sekunden nachdenken kann.
Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben sich bzgl. HDTV auf das Format 720p50 geeinigt. Diese Entscheidung war richtig, wie ich gleich belegen werde. Wer sich mangels Ahnung von einer dumpfen Zahl (1080i50) in die Irre führen lässt, ist selber schuld. Also fangen wir mal an: Beim Fernsehen wird das Bild erstmal unkomprimiert verarbeitet, mit einer Bittiefe von 8bit pro Pixel und Farbkanal. Das bedeutet schon bei SD-PAL-Fernsehen (768x576px) folgende Datenmenge: 768px x 576px x 8bit x 3 x 25fps = 253,125 Mbps Wenn wir noch embedded Audio und andere "Kleinigkeiten" hinzurechnen, dann landen wir bei den offiziellen 270Mbps. Das ist schonmal ne ganze Menge, zumal wir ja auch wissen, dass Videotechnik (z.B. Effektgeräte oder Mischpulte) mit weit mehr als nur einem solchen Videostream gleichzeitig umgehen können muss. Aber nun schauen wir uns mal HDTV an. Fangen wir mal an mit 720p50: 1280px x 720px x 8bit x 3 x 50fps = 1,03 Gbps Wow, also schon eine 4 mal so große Datenmenge. Audio und andere "Kleinigkeiten" lassen wir der Einfachheit halber mal außen vor. Die Vorstellung, dass hier schon rund 132 Megabyte pro Sekunde und pro Videosignal in Echtzeit verarbeitet werden müssen, sollte bei jedem Hobbyvideoschnippsler schonmal Schweißperlen auf der Stirn verursachen. Kurzer Blick rüber zu 1080i50, wo wir es mit 50 Halbbildern (also nur 25 Frames) zu tun haben: 1920px x 1080px x 8bit x 3 x 25fps = 1,16 Gbps Ja da schau an, das ach so rieeesige Format liefert in Wahrheit lediglich rund 10% mehr Bildinformation! Und das, wo doch so viele schlaue Menschen danach schreien, man möge doch bitte 1080i senden, weils ja sooo viel besser sei. Quark. Aber es geht noch weiter, keine Sorge. Ihr werdet euch wundern. Jetzt wagen wir den großen Sprung und gönnen uns 1080p50. Also FullHD mit 50 Vollbildern pro Sekunde. Schaun wir mal: 1920px x 1080px x 8bit x 3 x 50fps = 2,32 Gbps Könnt ihr euch vorstellen, dass wir hier schon an die Grenzen des derzeit machbaren stoßen? Welche Art von Kabeln transportieren solche Datenmengen zuverlässig über mehrere hundert Meter von einer Kamera zu einem Ü-Wagen? Welche Videotechnik schafft die Echtzeit-Verarbeitung von mehreren Bildsignalen à rund 300 Megabyte pro Sekunde? Und da gibt es tatsächlich Menschen, die sagen, dass das doch alles kein Problem und schon gar kein Kostenfaktor sein kann. Mal ganz ehrlich, habt ihr auch nur den Hauch einer Ahnung, was Fernsehtechnik kostet? Könnt ihr euch auch nur ansatzweise vorstellen, was die Produktionstechnik für 1080p50 heute kosten würde? Ich glaube nicht. Und nun kommen wir zu weiteren Schwierigkeiten: Was bringt es uns, wenn wir superduper Videosignale produzieren, wenn wir sie weder dauerhaft in der Qualität speichern (archivieren) können, noch um den halben Globus live senden, empfangen, weiterverarbeiten können? Nichts. Also muss die gesamte weltweite TV Infrastruktur überhaupt erstmal dafür ausgerüstet sein. Und während sich sicher noch manch einer zuhause mit einem Internetanschluss von nur 0,001 Gbps rumquälen muss, sollen Fernsehsender mal so eben schnell weit über 2000 mal so viel an Millionen oder manchmal sogar Milliarden Menschen liefern können? Wacht mal auf bitte! Kommen wir zum letzten Punkt: Natürlich gibt es hervorragende Videokompressions-Technologien, wie z.B. MPEG-4 (H.264), mit denen sich das unkomprimierte Signal deutlich komprimieren (und dann senden) lässt. Die momentan verfügbare Heimvideo- bzw. Satelltienempfangs-Technik lässt eben noch nicht mehr zu, als maximal 20Mbps (Astra). Das würde bei dem vielfach geforderten 1080p50 einer Kompression von rund 120:1 entsprechen. Das ist ein Faktor, bei dem auch in H.264 nicht ohne sichtbare Verluste komprimiert werden kann. Was bringt uns also der höhere Produktionsaufwand, wenn dann bei uns zuhause doch nur vergleichsweise bescheidene Qualität ankommt? Ich würde sagen: Gar nichts. Also, bleiben wir mal besser alle geschmeidig, freuen uns darüber, dass HDTV auch in Deutschland endlich ankommt ... und wenn wir irgendwas bemängeln wollen, dann vielleicht: Dass ARD und ZDF auf deren HD Transpondern momentan lediglich rund 12,5 Mbps senden und die Telekom das auf der T-Home Entertain Plattform sogar noch auf 8,3 Mbps runterrechnet. Da ist noch Luft nach oben. Ich halte die Entscheidung von ARD und ZDF für richtig, sich endlich vom veralteten Zeilensprungverfahren (interlaced) zu verabschieden. Dass man dabei vorerst auf 720p50 setzt ist für mich nachvollziehbar und wenn ein LCD-, Plasma- oder LED-Display ein interlaced Signal auf progressive interpolieren kann, dann kann es auch ebensogut ein 720p Signal skalieren. Das ist heutzutage beides kein Hexenwerk mehr. |
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